„Wasser ist mein Favorit“
extra: Vor zwei Jahren haben Sie uns berichtet, dass Sie den Bezirk Murau bis 2015 unabhängig von Energieimporten machen wollen - können Sie den Zeitplan einhalten?
Woitischek: In den letzten zehn Jahren haben wir unglaublich viel in erneuerbare Energieerzeugung investiert: Rund 30 Kleinwasserkraftwerke sind neu entstanden, und beim Strom ist der Bezirk bereits unabhängig. Jetzt setzt eine gewaltige Investitionsinitiative im Bereich Photovoltaik ein, wodurch wir erneut eine sehr große Menge an Strom erzeugen, diesmal aus der Sonne. Und auch bei der Wärmeversorgung sind wir auf dem besten Weg, unser Ziel zu erreichen.
extra: Was tun die Stadtwerke in diesem Bereich?
Woitischek: Unser Leuchtturmprojekt, das Nahwärme-Heizkraf twerk Murau-Stolzalpe spart der Region zukünftig 1,5 Mio. Liter Heizöl im Jahr, das sind rund 5000 Tonnen CO2! Das LKH Stolzalpe versorgen wir bereits ab November mit Wärme aus Holz. Mit der Brauerei Murau verhandeln wir intensiv über die Umstellung von Öl auf Biomasse.
extra: Wasserkraft, Photovoltaik, Biomasse... was ist Ihr persönlicher Energiefavorit?
Woitischek: Die Wasserkraft, weil sie eine saubere und auch einschätzbare Form der Energieerzeugung ist. Speziell Kleinwasserkraftwerke werden heute umweltschonend im Einklang mit der Landschaft geplant. Photovoltaik wird immer wichtiger, allerdings sind die Nachtstunden und die verschiedenen Einstrahlungswinkel während des Tages problematisch. Strom aus Biomasse wird sich in Zukunft noch weiter entwickeln. Für das Gewinnen dieser Energie müssen aber Rohstoffe angeliefert werden, das macht sie teurer.
extra: Wird also Elektrizität aus Kohle- oder Atomkraftwerken immer billiger bleiben als Ökostrom?
Woitischek: Wenn alle Kosten der Umweltbelastung und Entsorgung eingerechnet würden, könnten diese Energieformen nicht so günstig angeboten werden. Generell wird der Energiebedarf aber weiter steigen, damit steigen auch die Energiepreise, womit der Ökostrom rentabler wird.
extra: Wäre es aber nicht besser, den Energieverbrauch zu senken? Heute kann man ja schon viele Erledigungen online machen, es ist auch immer mehr von Telearbeit die Rede, das spart Benzin - aber die Internetverbindungen am Land sind oft langsam.
Woitischek: Das halte ich für einen guten Weg. Die Murauer Stadtwerke legen deshalb Lichtwellenleiterkabel bis in jedes Haus, für superschnelles Internet. Wir verlegen diese Kabel bei den Grabarbeiten für die neue Nahwärme gleich
mit, um den Arbeitsplatz zu Hause am Land zu ermöglichen. Das spart nicht nur Energie, sondern verringert auch die Abwanderung in die Stadt und entschärft die Verkehrsproblematik durchs Pendeln. Speziell Verwaltungsaufgaben könnten so auch von Büros am Land erledigt werden.
