BA MBA Verena Maria Dietmaier
Süßes Kraut
Kaum Kalorien, gut für die Zähne und keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Ein Stoff, aus dem Träume sind? Stevia, eine Pflanze aus Paraguay, soll uns endlich vom bösen Zucker befreien. Wir können Süßes schlemmen, bis uns schlecht wird; Kinder pfeifen auf Karies und trinken nur noch Kracherl, Diabetiker müssen beim Bäcker nicht mehr die fade, zuckerarme Alternative wählen. Stevia wird in Japan schon seit Mitte der 70er-Jahre verwendet. Stevia bzw. das daraus gewonnene Extrakt ist um bis zu 300-mal süßer als Zucker. Warum sich die EU mit der Zulassung so lange Zeit gelassen hat, kann wohl nur an den langsamen Mühlen in Brüssel liegen. Oder an der (bösen) Zuckerindustrie? Da gemäß EU-Verordnung nur ein Bestandteil der Pflanzenblätter (Steviolglykoside) zugelassen ist, begegnet uns Stevia im Geschäft va. in Gestalt von E 960. Für Kritiker hat das Endprodukt mit der Pflanze nur mehr wenig am Hut. Einen Vorteil, den es aber besitzt: Es scheint dem Blutzuckerspiegel nicht zu schaden. Der Erwartung, dass die Stevia- Extrakte gesünder als herkömmliche Süßstoffe sind, erteilt die Ernährungswissenschaft aber einen Dämpfer. Denn: Wie bei allen Lebensmitteln macht auch beim „Neo“-(Süß)- Stoff die Dosis das Gift.
